Life is Strange Episode 3 (Abbruch)

Max‘ und Chloes Ermittlung bezüglich Rachel Ambers Verschwinden hat dazu geführt, dass die beiden auf ihrer Suche nach Antworten nachts in die Blackwell Academy einbrechen. Hier entdecken sie, dass Rachel viele Geheimnisse hatte und nicht die Person war, die Chloe zu kennen glaubte. In der Zwischenzeit entdeckt Max eine neue Kraft, die verheerende Folgen mit sich bringt.

Die Folge hat mir ganz gut gefallen, weil endlich mal etwas passiert. Sofern man einen Einbruch, den Diebstahl von 5000 Dollar, einen weiteren Einbruch und eine Verfolgungsjagd durchs Schulgebäude als *etwas passiert* bezeichnen möchte.

Die Beziehung zwischen Max und Chloe wird für mich immer unglaubwürdiger, weil beide viel zu verschiedenen sind. Dazu kommt, dass Max mich mit ihrem Verhalten zunehmend abstößt. Wenn mir jemand ständig von seiner besten Freundin vorschwärmen würde, und dass er sie wiederhaben möchte, würde ich mich abwenden. Ein weiteres Indiz, Chloe Max nur benutzt, ist, dass sie ihr ständig Aufträge erteilt, wie die Flaschen auf dem Schrottplatz zu sammeln (Episode 2).

Ich habe vor Max also aus zwei Gründen keinerlei Achtung mehr. Genauer gesagt ist es ein Grund, nämlich ihre mangelnde Selbstachtung, welche sich unterschiedlich ausdrückt. Die Identifikation mit ihr ist mir deswegen bereits in Episode 2 verloren gegangen. Das ist so, als wenn der minderbemittelte Watson aus Crimes & Punishments und Das Testament des Sherlock Holmes die Hauptfigur wäre – und den habe ich verachtet.

Es sind immer die Kleinigkeiten, die ein Spiel ruinieren. Bei Life is Strange sind es

1.) Max` aufreizend langsames Gehen, was mein zweiter Gedanke nach *Ach, sieht sie niedlich aus* war. Schrecklich.

2.) Die Steuerung ist einfach grottig. Dass man sich erst einmal richtig positionieren muss (nicht zu weit, nicht zu nah herangehen, richtiger Winkel), nur, damit man dann kompliziert die Maus ziehen kann, ist einfach nervig.

3.) Was mich zum Abbruch bewegt hat, war die Autosave – Funktion, eine Seuche, welche immer mehr um sich greift. Wenn man diese Technik benutzt, dann sollte man sie wenigstens beherrschen. Bei den letzten Holmes – Titeln gab es die Funktion auch und ich bin immer noch verstimmt darüber, weil ich bestimmte Szenen wie das Boule – Turnier gerne solange probieren würde, bis ich sie erfolgreich abgeschlossen habe. Aber immerhin fängt man exakt dort an, wo man aufgehört hat.
Bei Life is Strange beherrscht der Hersteller die Technik so gar nicht und setzt einen auf einem Speicherpunkt ab, der gut und gerne 5 – 10 Minuten davor liegen kann. Nachdem ich gestern im Diner nicht mehr wusste, was ich machen sollte und auch zu müde war, beendete ich das Spiel und sollte alles noch einmal spielen. Nein, danke.

Eine der besseren Umgebungsgrafiken, welche trotzdem allem sehr unlebendig wirkt.

Eine der besseren Umgebungsgrafiken, welche trotzdem allem sehr unlebendig wirkt.

Unter *beherrscht die Technik nicht* fällt auch die sterile Grafik. Die Mädchen erinnern mich an diese virtuellen japanischen Popstars und stellen die gleiche Ausdruckslosigkeit in den Gesichtern zur Schau. Auch die Orte, gerade Arcadia, sind steriler als ein OP-Saal nach dem Putzen. Unter dem Aspekt reizt mich schon glatt das Weiterspielen, damit ich mithelfen kann, den Ort zu vernichten. Frogwares hat aus der Unreal 3 – Engine deutlich mehr rausgeholt. (Siehe Crimes & Punishments und The Devil`s Daughter.)

Die Geschichter sind hübsch und makellos - genau deswegen langweilig, künstlich und steril.

Die Geschichter sind hübsch und makellos – genau deswegen langweilig, künstlich und steril.

Fazit

Life is Strange war insofern faszinierend, als dass ich es spannend fand, mir Fragen zu stellen zu müssen, wie ich gehandelt hätte und man im Gegensatz zu anderen Spielen nicht alles vorgekaut bekommt. Es war das erste Spiel seiner Art, welches ich kennengelernt habe und hoffentlich folgen noch anderen. Dann aber mit besserer technischer Umsetzung.

Die Hauptfigur wurde mir jedoch immer unsympathischer und kam mir vor, wie ein Gummibärchen, welches alles mit sich machen lässt.

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4 Gedanken zu “Life is Strange Episode 3 (Abbruch)

  1. Interessant, was du so schreibst:

    „Was mich zum Abbruch bewegt hat, war die Autosave – Funktion, eine Seuche“

    Absolut, sehe ich auch als Seuche an. Es sind zum Glück nur sehr wenige Situationen, wo ich noch mal einiges neu erspielen musste, aber es war schon nervig. Das macht auch einige andere und ansonsten sehr gute Spiele wie Alan Wake oder The Walking Dead nerviger und unbequemer als nötig.

    „Unter *beherrscht die Technik nicht* fällt auch die sterile Grafik.“

    Mhh, was meinst du mit steril? Ich finde besonders die Umgebungen toll (hand)gezeichnet und stimmungsvoll, sei es nun die Schule mit dem Campus oder die Busfahrt durch die Stadt, vielen schönen Kamerafahrten – sehr gelungen. Evtl. meinst du aber den Grafikstil selbst, ja sie ist in ihrer Aquarelloptik leicht überzeichnet, aber passt hervorragend zum Spiel, also finde ich zumindest. Übrigens UE4-Engine. Ansonsten wurde die Grafik/ Technik auch von der Fachpresse entsprechend kontrovers diskutiert, ist wohl wirklich Geschmacksache.

    „Die Steuerung ist einfach grottig. Dass man sich erst einmal richtig positionieren muss (nicht zu weit, nicht zu nah herangehen, richtiger Winkel), nur, damit man dann kompliziert die Maus ziehen kann, ist einfach nervig.“

    Das überrascht mich wirklich, ich kam damit sehr gut zurecht – und ich bin ein Spieler, den nervige ungenaue und schwammige Steuerungen gehörig nerven. Mausempfindlichkeit einstellen hat mir da geholfen, per Taste kann Max auch rennen. Das man manchmal Schwierigkeiten hat, richtig zu interaktiven Objekten zu stehen, ist mir auch aufgefallen, aber da ich eh sehr gerne explorert habe in LiS, hat es mir letztlich nichts ausgemacht. Generell sind Spielsteuerungen heute ziemlich auf Kompromiss ausgelegt, wegen PC – Konsolenumsetzungen, das ist nie wirklich optimal, leider.

  2. „Was mich zum Abbruch bewegt hat, war die Autosave – Funktion, eine Seuche“

    Absolut, sehe ich auch als Seuche an. Es sind zum Glück nur sehr wenige Situationen, wo ich noch mal einiges neu erspielen musste, aber es war schon nervig. Das macht auch einige andere und ansonsten sehr gute Spiele wie Alan Wake oder The Walking Dead nerviger und unbequemer als nötig.

    Es geht noch, wenn es keine festen Speicherpunkte gibt, wie in Lis. In den Holmesspielen fängt man z.B. punktgenau da an, wo man aufgehört hat. Und trotzdem hätte ich einige Dinge gerne noch einmal wiederholt, was aber nicht möglich war, da es kein klassisches Save gab. Aber ich hatte keine Lust mehr, jetzt mich noch einmal durch die ganzen Dialoge zu wurschteln.

    Evtl. meinst du aber den Grafikstil selbst, ja sie ist in ihrer Aquarelloptik leicht überzeichnet, aber passt hervorragend zum Spiel, also finde ich zumindest. Ansonsten wurde die Grafik/ Technik auch von der Fachpresse entsprechend kontrovers diskutiert, ist wohl wirklich Geschmacksache

    Zo glaubwürdigen Gesichtern gehören für mich auch Pickel, Falten, ect. dazu. Die Gesichter in Lis sind mir zu perfekt, zu puppenhaft und damit zu künstlich geraten. Ich fühle mich bei ihnen an einen Bericht über virtuelle japanische Popstars erinnert. Gerade Arcandia finde ich sehr steril geraten.

    Das man manchmal Schwierigkeiten hat, richtig zu interaktiven Objekten zu stehen, ist mir auch aufgefallen, aber da ich eh sehr gerne explorert habe in LiS, hat es mir letztlich nichts ausgemacht

    Gerade, weil das in Lis so schön gemacht ist und man soviel untersuchen kann, habe ich oft geflucht. Erst musste man May in die richtige Positiion bringen und dann die Maus ziehen. Ich glaube, wäre der Schrottplatz in E2 nicht gewesen, ich hätte Lis bis zum Ende gespielt. Aber er hat mir die mangelhafte Steuerung massiv vor Augen gehalten und zudem hat es mich massiv gestört, dass Max seitdem nur noch dem Bimbo für Chloe macht. Was ist denn das für eine *Heldin*, welche sich rumkommandieren und ausnutzen lässt?

  3. „Zo glaubwürdigen Gesichtern gehören für mich auch Pickel, Falten, ect. dazu. Die Gesichter in Lis sind mir zu perfekt, zu puppenhaft und damit zu künstlich geraten. Ich fühle mich bei ihnen an einen Bericht über virtuelle japanische Popstars erinnert. Gerade Arcandia finde ich sehr steril geraten.“

    Interessant das du die Gesichter erwähnst. Zu perfekt findest du sie? Nun, Chloes Mutter, David, der Schuldirektor, ein Fischer und die Obdachlose oder auch Mitschülerin Alyssa (die etwas Füllerige) haben schon ihre Makel. Aber ich gebe dir auch gerne recht: LiS ist wie eine amerikanische Serie für Teenies ausgelegt und erfüllt deren Erwartungen, entsprechend „perfekt“ auch die Charaktere, auch viele Klischees werden erfüllt und sicherlich auch (bewusst) überspitzt gezeichnet, Chloe als Punkerin z.B. Da verhält sich LiS wie eben einer dieser TV-Serien. Arkadia als Ort finde ich dennoch gut gelungen und gar nicht so leblos. Da sieht man aber auch, trotz der Fehler (bzw. Dinge, die nicht anders sind als viele andere Produkte) wird LiS gefeiert, aus gutem Grund wie ich meine. Die Spielerschaft ist dankbar für so ein Spiel und da erkennt man wie weit hinterher Games noch sind. Selbst die Story ist ja eigentlich nichts besonderes und gab es ähnlich schon in so vielen TV-Serien, Golem
    http://www.golem.de/news/test-life-is-strange-highschool-dramolett-mit-zeitreise-1502-112091.html
    schrieb (in meinen Augen völlig richtig) zu LiS:

    „Die erste Stunde der Auftaktepisode von Life is Strange ist klasse: Die herbstlich-melancholische Atmosphäre wirkt stimmig, die Grafik und die schicke Benutzerführung sind frisch und die Hauptdarstellerin ist interessant. Das hohe Niveau wird leider nicht gehalten, weil man später viel Zeit in uninspirierten Dialogen verbringen muss. Wenn Life is Strange eine TV-Serie wäre, wäre sie nicht Prime Time, sondern später Samstagnachmittag auf einem kleineren Sender.“

    Dennoch, all diese durchaus berechtigten Punkte stören mich kaum weil sie mir zu balal sind im Vergleich zu anderen Spielen und deren Fehler. Ich z.B. würde mich viel lieber spekulativ über die Obdachlose austauschen, als mich an Kleinigkeiten zu stören – wobei ich auch da allgemein empfinde: Oft stören genau diese Kleinigkeiten und verderben den Spielspaß, ich möchte LiS also gar nicht verteidigen, sondern ich kann deinen Unmut am Spiel verstehen. Und es stimmt schon, die Figuren/ Gesichter in Telltales The Walking Dead sind schon weit fehlerhafter gezeichnet, wobei da das Setting auch nicht viel anderes hergibt.

    • Im Prinzip halte ich Lis auch für ein sehr intelligentes Spiel.

      Die Macken sind für mich allerdings massiv, sein es die puppenhaften Gesichter, die sehr anstrengende Steuerung und die komplett verkorkste Story-Beziehung Max – Chloe. Ich schrieb schon einmal über WoW, dass ich unter einem Helden keinen Dienstboten verstehe und genau so lässt Max sich von Chloe ab dem Zeitpunkt behandeln. Was dazu führte, dass ich Max zunehmend verachtet habe. Und warum sollte ich jemand spielen, den ich verachte?

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